Autismus und Legasthenie

Autismus Legasthenie gemeinsam im Fokus – Förderideen

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  • Aktualisiert
Artikel aktualisiert am 21.06.2024

Obwohl Autismus und Legasthenie unterschiedliche neurologische Störungsbilder sind, gibt es beim genaueren Hinsehen Überschneidungen in den Lernbedürfnissen beider Gruppen.

In diesem Beitrag erfährst du konkret, welche Zusammenhänge zwischen einer Autismus-Spektrum Störung und Legasthenie bestehen.

Du erhältst Förderideen von denen legasthene und autistische Betroffene gleichermaßen profitieren können.

Gemeinsame Lernbedürfnisse und Lernmodalitäten bei Legasthenie und Autismus

Autistische und legasthene Personen teilen gemeinsame Lernbedürfniss die unter anderem auf Schwierigkeiten in der Verarbeitung von Sinnesreizen basieren können.

Autismus Spektrum Störung und LRS Lernbedürfnisse/Lernmodalitäten
Autismus Legasthenie Lernbedürfnisse und Lernmodalitäten
  • Berücksichtigung sensorischer Besonderheiten und Bedürfnisse
  • Vermeiden von Reizüberflutung
  • Multisensorische Ausrichtung
  • Struktur, Routine, Ordnung
  • Klarheit und Präzision in Anweisungen und Sprache
  • Individuelles Lerntempo
  • Individuelle Pausen
  • Visuelle Hilfen und Strukturierungsmaterialien
  • Fein- und Grobmotorik
  • Förderung von Organisations- und Planungsfähigkeiten
  • Selbstmanagementstrategien und Kompensationstechniken
  • Positive Bestärkung
  • Individuelle Lernziele und -pläne
  • Raumwahrnehmung trainieren
  • Fertigkeiten zur Selbstregulation und Stressbewältigung aufbauen
  • Multimodaler Ansatz

Förderideen Autismus Legasthenie

Übungen/SpieleAutimusLegasthenie
Spiegelspiele
Bewegungsspiele mit klaren Strukturen und Regeln
Koordinationsübungen
Aufwärmroutinen vor dem Lernen
Fokussierung
Abbau überschüssiger Energie
Raumwahrnehmung
Lernen mit Bewegung
Orientierung im Raum
Multimodale LernmethodenAnsprache verschiedener Wahrnehmungskanäle Sinneskanäle aktivieren
Rhythmik
klare Struktur und MustervorgabeAktivierung des auditiven Gedächtnisses
Serialität fördern
Visualisierungen
Abkehr von Abstraktem,
Veranschaulichung
abstrakte Buchstaben und Wörter verbildlichen
Digitale Lernhilfen
Motivation durch TechnikLese-Schreibprogramme
Strukturierungshilfen
Übersichtlich und kleinschrittigGliederungen, Lernetappen, Teilschritte
Konkretes LernenSinneserfahrungenHandlungsorientierung
Ressourcenorientiert LernenIndividulisierungStressreduktion
Förderideen Autismus und LRS

Lass dir mit Lerntipps Legasthenie weitere Ideen geben.

Sensorische Integration

Kurz erklärt: Die sensorische Integration umfasst die Aufnahme, Weiterverarbeitung und Koordination von Sinnesreizen durch das Nervensystem, um angemessen auf Reize reagieren und zielgerichtet handeln zu können.

Eine intakte Verarbeitung und Verknüpfung sensorischer Informationen bildet die Basis für Lernfähigkeit und Lernbereitschaft.

Sie ermöglicht die Ausbildung eines Selbstbewusstseins und der Fähigkeit zur Selbstregulation.

Lernen stellt dann für das Gehirn eine relativ einfache Aufgabe und richtiges Verhalten einen ganz natürlichen Zustand dar.

Lugmair 2006; S. 122

Ein aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel der Sinnesmodalitäten zeigt sich überdies in der Fähigkeit zur adäquaten sozialen Interaktion und Kommunikation.

Sensorische Integrationsstörung bei Autismus und Legasthenie

Definition: Eine sensorische Integrationsstörung (Sensory Integration Disorder) beeinträchtigt die Fähigkeit, taktile, auditive, vestibulare, propriozeptive und visuelle Reize zusammenzuführen, angemessen zu verarbeiten und zu modulieren.
Mögliche Folgen:
Verhaltensauffälligkeiten
Lern- und Aufmerksamkeitsstörungen
motorische Koordinationsprobleme

Mehr dazu: J. Ayres (2013): Bausteine der kindlichen Entwicklung.Berlin Heidelberg. Springer Verlag

Ist also das Zusammenspiel, die Ordnung und Aufgliederung der Fern- und Nahsinne gestört, resultieren daraus im Einzelnen:

  • Hyper- und Hypoaktivität
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Kommunikations- und soziale Interaktionsstörungen
  • Defizite im selbstständigen Handeln, insbesondere in der Informationsgewinnung
  • Eine sequenzielle sensorische Verarbeitungsstörung
  • Schwierigkeiten im Erfassen räumlicher Beziehungen
  • fehlendes seriales Verständnis
  • mangelndes Problemlöseverständnis
  • unzureichendes Potenzial zu Schlussfolgerungen
  • Sprachverständnisschwierigkeiten
  • Sprachstörungen
  • Reduzierte Nachahmungsfähigkeit
  • Schwierigkeiten, Sinneseindrücke zu lokalisieren
  • autistisches Störungsbild
  • Dyskalkulie
  • LRS/Legasthenie

Schwierigkeiten im Lese-Schreiblernprozess bis hin zur Legasthenie entstehen explizit aus Beeinträchtigungen in

  • der Hörverarbeitung
  • der visuellen Simultanerfassung
  • der Blicksteuerung und Blickrichtung
  • dem beidäugigen Sehen
  • der Raumwahrnehmung

Blick in die Forschungsergebnisse:

20-50% der legasthenen Kinder weisen Defizite und Entwicklungsrückstände in der Blicksteuerung auf.

50% der Legastheniker:innen haben Beeinrächtigungen in der visuellen Wahrnehmung wie Bewegungssehen, in der Simultanerfassung sowie Hörverarbeitung. (Vgl. Lugmair,S. 85, 106, 200).

Bei Autismus-Spektrum-Störungen liegt nach aktuellem Forschungsstand eine Beeinträchtigung der Reizverarbeitung bei 30-100% der Betroffenen vor. (Vgl.: Röring 2022, S.10)

Wobei man davon ausgehen kann,

[…], dass hochfunktionale Autisten, die in einem Sinnesbereich hyper- oder hyposensibel reagieren, mit großer Wahrscheinlichkeit auch in weiteren Sinnesmodalitäten Hyper- oder Hyposensibilitäten zeigen.

Röring (2022), S. 48

Relevanz für die Diagnosestellung:

Obwohl Studien eine Störung der Sinnesreizverarbeitung im Zusammenhang mit ASS und Legasthenie nahelegen, wird die sensorische Integrationsstörung weder im DSM-5 noch in der ICD-10 oder ICD-11 als eigenständige Diagnose definiert.

Allerdings erlaubt das DSM-5, Probleme mit der Verarbeitung von Reizen als Symptom oder assoziiertes Merkmal anderen Störungen mit sensorischen Auffälligkeiten zuzuordnen.

So muss das Diagnosekriterium „Hyper-/Hyporeaktivität auf sensorische Reize und eigene sensorische Interessen“ (Domäne B, Punkt d) für die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) einbezogen werden.

Fassen wir kurz zusammen:

Eine umfassende Legasthenieförderung sollte die möglichen neurophysiologischen Ursachen im Bereich der sensorischen Integration einbeziehen, um gute Erfolge zu realisieren.

Hier geht’s zur Förderung Legasthenie

Erfahre mehr zur Förderung der Wahrnehmungsmodalitäten im Rahmen der Legasthenietherapie AFS Methode.

In der Autismus Förderung kann eine Therapie mit entsprechendem Blick auf die sensorische Integration Verbesserungen unter anderem in der sozialen Interaktion, Kommunikation und Raumwahrnehmung schaffen.

Komorbiditäten Autismus/Legasthenie

Ein wichtiges Kriterium für die adäquate Förderung bei neurologischen Störungsmustern ist die Frage nach möglichen Begleiterkrankungen.

Definieren wir zunächst genauer den Begriff Komorbitäten:

Was ist Komorbidität?

Eine Komorbidität bezeichnet das gleichzeitige Auftreten von zwei oder mehreren Krankheiten bzw. Störungen bei einer Person.
Es handelt sich um die Koexistenz verschiedener Beeinträchtigungen, die sich gegenseitig beeinflussen können.

Ko-Erkrankungen im Autismus Spektrum und Legasthenie

Gemäß der ICD-11 sind Symptomkombinationen bei der Autismus-Spektrum Störung über die gesamte Lebensspanne verbreitet. (Vgl. ICD-11, p. 127)

Auch bei einer diagnostizierten Legasthenie zeigen sich häufig Komorbiditäten.

So belegten Brimo et al 2021,

[…] dass etwa 40 % der Kinder mit Legasthenie mindestens ein NDP [neurologisches Entwicklungsproblem] aufwiesen. […]

Brimo et al, S. 16

Laut einer älteren Studie von Kaplan et al. (2001,S. 560) besteht bei Legastheniker:innen sogar eine über 50%ige Wahrscheinlichkeit für Symptomüberlappungen.

ASS und Legasthenie als komorbide Erkrankungen

Der Frage, inwieweit Autismus und speziell Legasthenie zusammen auftreten können, widmen sich seit Jahrzehnten verschiedene Studien.

2006 sahen Nation et.al in der Analyse der Lesefähigkeiten von 41 autistischen Kindern Unterschiede in der Lesekompetenz, angefangen beim Dekodieren bis hin zum Textverständnis.

Wobei ihre Stichprobe

Das hohe Maß an schlechtem Leseverstehen […]

Nation et al. 2006 ,S. 918

aus anderen bisherigen Studien bestätigte.

Allerdings zeigten von den 20 Kindern, die normale
Wortlesefähigkeiten erreichten,10 ein schlechtes Leseverständnis.

Nation et al. 2006 ,S.917

Eine weitere Bestätigung für legasthenische Symptome erzielten Hofvander et al.
Im Jahr 2009 untersuchten sie 122 autistische Personen im Alter zwischen 16 und 60 Jahren auf koexistierende Erkrankungen.

Im Ergebnis lag eine Legasthenie in vierzehn Prozent der Fälle vor.

Die Häufigkeit einer Lesestörung in Kombination mit einer Störung des schriftlichen Ausdrucks (d. h. Legasthenie) [zusammen mit Autismus] lag bei 14 %.

Hofvander, S. 4

Und Brimo et al. stellen 2022 in ihrer Studie mit legasthenen Kindern ergänzend fest:

Eine neue Erkenntnis ist, dass legasthene Kinder […] auch bestimmte ASD-Symptome [Autismus Symptome] aufweisen können.

Brimo et.al. S. 13

Legasthenie – begrifflich eingeordnet

Definitionen für eine Legasthenie sind vielschichtig und lassen sich medizinischen, pädagogischen sowie psychologischen Wissensgebieten zuordnen.

Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört eine Legasthenie nach der ICD-11 zu der Gruppe der Lernstörungen (6A03) innerhalb der Kategorie neurologische Entwicklungsstörungen, wie unter anderem auch Autismus (6A02) und ADHS (6A05).

Im schulischen Sektor erhalten Betroffene einen Notenschutz sollte eine LRS diagnostiziert worden sein.
Zusätzlich ist ein Nachteilsausgleich möglich, wie das folgende Video erklärt.

Legasthenie und Dyskalkulie - Nachteilsausgleich LRS

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Was genau ist Autismus?

Autismus fällt unter die Neuroentwicklungsstörungen und ist immer individuell ausgeprägt.

Was sind die 3 Hauptsymptome von Autismus?

  1. Soziale Interaktion – Beispiele:
    Schwierigkeiten:
    # Freundschaften zu schließen und aufrecht zu erhalten
    # Bedürfnisse anderer zu erkennen bzw. einzuordnen
    # Gespräche zu beginnen und fortzuführen wie Small Talk
  2. Kommunikation – Beispiele:
    # Defizite in der funktionalen Sprache
    # Gesagtes wird wortwörtlich genommen
    # Emotionen, die mittels Sprachmelodie geäußert werden, bleiben unverständlich
    # Ggf. monotone oder gestelzte Sprechform
  3. Handlungsmuster – Beispiele:
    # Besondere ausgeprägte Interessensgebiete
    # Wiederholende Bewegungsmuster
    # Angstzustände bei Störung der Routine
    # Aggressives Verhalten unter Stressbelastung

Klassifikation gemäß ICD 10 – Code F84

Autismus zählt zu den tiefgreifenden Entwicklungstörungen.
Diese beginnen in der (frühen) Kindheit und stehen mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems im Zusammenhang.

In diese Kategorie fallen der frühkindliche Autismus (Kanner Syndrom) (F84.0), der atypische Autismus (84.1.), das Asperger Syndrom (84.5).

Kennzeichnend für Autismus sind gemäß ICD 10:

  • qualitative Abweichungen in der wechselseitigen sozialen Interaktion und Kommunikation
  • eingeschränkte, sich wiederholende stereotype Interessen und Aktivitäten

Die Diagnose Autismus erfolgt in Deutschland in aller Regel noch auf Basis der ICD 10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems).

Mit Inkrafttreten der ICD-11 am 01.01.2022 ist eine Diagnosestellung grundsätzlich aber nach der neuen Klassifikation als Autismus Spektrum Störung möglich.

ICD 11 – Kategorie 6, 6A02.0 – 6A02.5

Alle Subformen von Autismus sind nunmehr analog zur DSM V in der Kategorie Autismus Spektrum Störungen (ASS) zusammengefasst. Differenzierungen werden mit Blick auf IQ und die funktionale Sprachentwicklung vorgenommen.

Autismus
Icd 10
Autismus Spektrum Störung
Icd 11
F84.0
frühkindlicher Autismus
F84.1
atypischer Autismus
F84.5
Asperger Syndrom
6A02
Autismus Spektrum Störung

Differenzierungen: 6A02.0 – 6A02.5
Störung der Intelligenzentwicklung (ja/nein)
Beeinträchtigung der funktionalen Sprache (ja/nein)
Autismus Klassifikationen im Vergleich

Was ist das Asperger Syndrom?

Das Asperger Syndrom erfüllt die Hauptkriterien einer Autismus Störung. Allerdings fehlen eine allgemeine Entwicklungsverzögerung bzw. ein Entwicklungsrückstand der Sprache und kognitiven Entwicklung.

Was ist frühkindlicher Autismus?

Auch Kanner Syndrom genannt beginnt der frühkindliche Autismus vor dem dritten Lebensjahr und ist quasi der Prototyp des Autismus mit allen 3 Hauptsymptomen.

Was ist atypischer Autismus?

Die Symptome des atypischen Autismus treten meist erst nach dem 3. Lebensjahr auf.

Insgesamt ähnelt der atypische Autismus dem frühkindlichen, weicht aber im Beginn und/oder dem genauen Symptommuster ab.

Dabei müssen die Kernsymptome des frühkindlichen Autismus nicht zwingend in allen drei Hauptbereichen vorliegen.

Können Autisten gut lesen?

Personen mit einer Autismus – Spektrum -Störung haben oftmals, wie auch legasthene Menschen, Probleme, Texte zu verstehen und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
Weniger schwer fällt es den meisten Betroffenen Texte zu dekodieren. Das heißt Wörter, Wortbausteine oder Buchstabenkombinationen an sich zu erfassen und zu erlesen.

Ist Autismus eine Lernstörung?

Autismus ist keine Lernstörung, sondern eine besondere Art der Informationsverarbeitung und Wahrnehmung auf neurobiologischer Ebene mit Beeinträchtigungen hauptsächlich im sozialen und kommunikativen Bereich, wie auch im Verhalten.

Multimodaler Ansatz bei Legasthenie und Autismus

Legasthenie / LRS:

Eine unerkannte oder unzureichend behandelte Lese-Rechtschreibschwäche kann bei Betroffenen zu emotionalen und verhaltensbezogenen Problemen wie Ängsten, Depressionen, Motivationsverlust, häufigen Fehlzeiten und aggressivem Verhalten führen.

In der Legasthenietherapie ist daher ein ganzheitlicher, multimodaler Ansatz sinnvoll und vielversprechend.

Neben gezielten Übungen zur Verbesserung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten, unterstützen Therapeuten die Betroffenen begleitend bei der Entwicklung angemessener Verhaltensweisen und der Stärkung des Selbstwertgefühls.

Den möglichen Nutzen dieses Ansatzes belegt 2023 eine nicht randomisierte Studie für eine Dissertation:

Es zeigten sich positive Effekte der zusätzlich durchgeführten Verhaltensintervention in Form einer Reduzierung der Verhaltenssymptomatik aus Sicht der Lehrkräfte.

Durchholz, S. 178

Autismus – Spektrum Störung multimodal begegnen:

Die Beeinträchigung der Fähigkeit zur sozialen Interaktion ist ein Kennzeichen der autistischen Erkrankung. Daneben können jedoch unter anderem Defizite in der Aufmerksamkeit, Impulskontrolle, Konzentration oder dem Textverstehen bestehen.

Ein multimodales therapeutisches Vorgehen, wie die Kombination einer Verhaltenstherapie und sensorischen Integrationstherapie mit einer Lerntherapie scheint sinnvoll.

  • Die sensorische Integrationstherapie schafft durch die Förderung der sensorischen Verarbeitung eine verbesserte neurophysiologische Basis für Aufmerksamkeit, Konzentration und angemessene Reaktionen.
  • Mittels der Verhaltenstherapie kann gelernt werden, das durch die sensorische Integration geförderte Potenzial in konkretes, angepasstes Verhalten umzusetzen.
    Durch den Aufbau neuer Verhaltensweisen fördert sie die Lernbereitschaft, Konzentration und Ausdauer im Lernprozess.
  • In einer Lerntherapie stehen unter anderem die Förderung von Kommunikation, Textverständnis, Lerntechniken und Handlungsplanung im Fokus.
    Lies dazu mehr: Rechte von Menschen mit Autismus. Bundesverband Autismus Deutschland e.V.

FAQ

Können Autisten LRS haben?

Grundsätzlich sind Komorbiditäten, also Begleiterkrankungen, bei Autismus möglich.

Was ist der Unterschied zwischen Autismus und Autismus Spektrum Störung?

In der ICD-10 wird Autismus in Subkategorien unterteilt. In der ICD-11 fallen alle Subkategorien unter den Begriff Autismus-Spektrum-Störung.
(Vgl. Freitag, Ch.M. (2020): Von den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen in ICD-10 zur Autismus-Spektrum-Störung in ICD-11. IN: Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2021 49:6, 437-441)

Literaturverweise

Brimo K, Dinkler L, Gillberg C, Lichtenstein P, Lundström S, Åsberg Johnels J. (2021): The co-occurrence of neurodevelopmental problems in dyslexia. IN: Dyslexia, 2021 Aug. 27(3); 277-293.

Durchholz, M.,M.(2023): Multimodale Intervention bei Kindern mit Lernschwierigkeiten und gleichzeitig auftretenden Verhaltensauffälligkeiten. Passau.

Hofvander, B., Delorme, R., Chaste, P., Nydén, A., Wentz, E., Ståhlberg, O., Herbrecht, E., et al. (2009): Psychiatric and psychosocial problems in adults with normal intelligence autism spectrum disorders. BMC Psychiatry, 9, 35.

Kaplan, B. J., Dewey, D. M., Crawford, S. G., & Wilson, B. N. (2001): The term comor‐14 bidity is of questionable value in reference to developmental disorders: Data and15 theory. Journal of Learning Disabilities, 34(6), 555–565.

Lugmair, K.(2006): Sensorische Integration-Raumwahrnehmung unter besonderer Berücksichtigung des Kindesalters. Dissertation, LMU München: Medizinische Fakultät.

Nation, K., Clarke, P., Wright, B., & Williams, C. (2006). Patterns of reading ability in children with autism spectrum disorders. Journal of Autism and Developmental Disorders, 36, 911-919.

Röring, H. (2022): Strukturanalyse eines Fragebogens zur Erfassung von sensorischen Auffälligkeiten bei Erwachsenen mit hochfunktionaler Autismus-Spektrum-Störung – eine dimensionale Analyse interindividueller Unterschiede in perzeptuellen Anomalien bei Autismus. Dissertation.Universität Freiburg.

World Health Organization (2024): Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders.