Definition Dyskalkulie

Definition Dyskalkulie und Rechenschwäche im Detail

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Artikel aktualisiert am 10.02.2024

Kurz erklärt: Eine Dyskalkulie äußert sich in Schwierigkeiten beim Erlernen und Anwenden mathematischer Grundfertigkeiten. Betroffene haben Probleme beim Verständnis von Zahlen, Mengen und mathematischen Symbolen.

Wenden wir uns nun der detailierten Bestimmung und Einordnung von Rechenschwierigkeiten zu.

Ein umfassendes Verständnis ist von Bedeutung, um in Schule, Beruf und bei Behörden auf Augenhöhe Schwierigkeiten im Erlernen von Mathematik zu erörtern.

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Definition Dyskalkulie im Detail

  1. Begriffswirrwarr: Synonyme

Für den Begriff Dyskalkulie gibt es eine Vielzahl von Benennungen. Geläufig ist die Entsprechung Arithmasthenie. Diese lässt sich noch einmal in Primär- und Sekundärarthmasthenie unterteilen.

Es existieren zusätzlich noch weitere Termini.
So wird häufig von einer Rechenstörung gesprochen.
Die erworbene Rechenstörung (Akalkulie) bzw. erworbene Rechenschwäche entsteht durch jene Ursachen, die auch die sekundäre bzw. psychogene Dyskalkulie entstehen lassen.

2. Der offizielle Sprachgebrauch in Schulministerien

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schleswig Holstein (31.10.2018) bezeichnet mathematische Leistungen, die erheblich unter dem Durchschnitt liegen, allgemein als Rechenschwäche.

Diese liegt vor, wenn die

mathematischen Grundvorstellungen und Lösungsstrategien der betroffenen Schülerin oder des betroffenen Schülers erheblich unter dem Niveau liegen, das für ihre bzw. seine Jahrgangsstufe maßgeblich ist.

In Niedersachsen definiert das Kultusministerium die Problematik als

besondere Schwierigkeiten im […] Rechnen

Begriffsbestimmung Dyskalkulie WHO

Die WHO ordnet Rechenschwierigkeiten in die Kategorien Rechenstörung bzw. Entwicklungsstörung ein.

Schauen wir uns die Eingrenzungen genauer an:

Dyskalkulie Definition ICD-10 der WHO

Die WHO listet in der ICD-10 Schwierigkeiten im Rechnen unter Rechenstörungen:

Diese Störung besteht in einer umschriebenen Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten, wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung benötigt werden.

F81.2

In der Kategorie R48.8 – sonstige und nicht näher bezeichnete Werkzeugstörungen – ist die Akalkulie aufgeführt.

Dyskalkulie-Definition in ICD 11 der WHO

Gemäß ICD 11 fallen Rechenschwierigkeiten unter Lernentwicklungsstörungen mit Beeinträchtigungen in Mathematik.

die Lernentwicklungsstörung mit Beeinträchtigung in Mathematik ist nicht auf eine Störung der intellektuellen Entwicklung, eine sensorische Beeinträchtigung (Seh- oder Hörvermögen), eine neurologische Störung, mangelnde Verfügbarkeit von Bildung, mangelnde Beherrschung der Sprache des akademischen Unterrichts oder psychosoziale Widrigkeiten zurückzuführen.

Code: 6A03.2

Für Betroffene ist mathematisches Denken, genaues und flüssiges Rechnen und das Auswendiglernen von Zahlenfakten ein Problem. Es fehlt ihnen an einem ausgeprägten Zahlensinn.

Eine Akalkulie zählt zu den Werkzeugstörungen und

bezieht sich auf den Verlust, meist im Erwachsenenalter, einer früheren Fähigkeit, einfache mathematische Berechnungen durchzuführen, die nicht mit dem allgemeinen Niveau der intellektuellen Funktionsfähigkeit übereinstimmt und nach der Entwicklungszeit bei Personen erworben wird, die diese Fähigkeiten zuvor erlangt hatten, z.B. aufgrund eines Schlaganfalls oder einer anderen Hirnverletzung.

Code: 6A03.2

Es handelt sich um rein medizinische Eingrenzungen.

Du fragst dich nun:

Pädagogisches Verständnis von Rechenstörung

Die (angeborene) Rechenstörung wird in 2 Subkategorien unterteilt.

1. Primärdyskalkulie

Eine primäre Rechenstörung wird auch neurogene Arithmasthenie genannt.

Sie liegt vor, wenn:

  • eine Unaufmerksamkeit im Rechenprozess vorliegt, da
  • die Rechenschwäche biogenetisch bedingt ist
  • und Teilleistungen unterschiedlich ausgeprägt sind
  • und deshalb Fehler in den Rechenleistungen vorliegen

Es handelt sich um eine spezielle Teilleistungsschwäche.

Ein Training konzentriert sich auf den basalen Bereich, auf die Aufmerksamkeitsfokussierung im Rahmen der arithmetischen Rechenoperationen, sowie das Grundlagenrechnen.

2. Sekundärdyskalkulie

Eine sekundäre Dyskalkulie fällt auch unter der Bezeichnung psychogene Arithmasthenie.

Entstehung: Aufgrund eher gravierender seelischer, physischer, sozialer, schulischer oder familiärer Problematiken wird eine Primärdyskalkulie verstärkt und mündet in eine Sekundärdyskalkulie.

Ist Dyskalkulie eine psychische Erkrankung?

Psychische Faktoren sind nicht der Auslöser für eine biogentisch bedingte Rechenschwäche.

Sie können jedoch eine Sekundärdyskalkulie und eine erworbene Rechenschwäche verursachen.

Was ist der Unterschied zwischen Dyskalkulie und Rechenschwäche?

Dyskalkulie Rechenschwäche Begriffe

Eine erworbene Rechenschwäche ist keine Folge neurogener Veranlagungen. Stattdessen spielen soziale, familiäre, schulische, körperliche oder psychische Faktoren eine Rolle, unabhängig von der Intelligenz.

In der Förderung tritt bei einer Rechenschwäche das Training der Basissinne in den Hintergrund.
Im Vordergrund stehen Rechenoperationen, Regeln und Rechengesetze.

Eine Dyskalkulie ist neurogen verursacht und hauptsächlich auf die mathematischen Grundlagen beschränkt.

Ich suche professionelle Unterstützung bei Rechenschwierigkeiten.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Ist eine Dyskalkulie heilbar?

Eine biogenetisch bedingte Rechenstörung ist nicht heilbar. Durch gezieltes individuelles Fördertraining ist jedoch eine Verbesserung der Rechenleistungen erzielbar.

Kann man Dyskalkulie und Legasthenie haben?

Die Ursachen für eine biogenetisch bedingte Dyskalkulie und eine neurogene LRS sind identisch und spiegeln sich im Umgang mit Zahlen, Ziffern oder Zeichen wider.

Zusammenfassung

Eine Dyskalkulie, auch Arithmasthenie genannt, beschreibt individuelle Schwierigkeiten im Umgang mit Zahlen, Ziffern und im Rechenprozess.

  • Dyskalkulie Ursachen – Schlagwörter:
  • neurogen
  • differente Wahrnehmungsverarbeitung
  • verstärkbar durch psychische, soziale, physische, schulische Faktoren

In der Fachwelt und Umgangssprache finden sich verschiedene terminologische Entsprechungen:

  • Rechenschwierigkeiten
  • (angeborene) Rechenschwäche
  • Rechenstörung
  • mathematische Probleme
  • Lernentwicklungsstörung / Teilleistungsschwäche im Umgang mit Mathe
  • Akalulie für erworbene Rechenstörung

Auf pädagogischer Ebene spricht man von einer primären und sekundären Dyskalkulie. Sie ist nicht vollständig therapierbar.

Im Rahmen einer professionellen Förderung gelingt es in der Regel jedoch, eine Verbesserung der Rechenfertigkeiten zu erreichen.

Im Zentrum des Dyskalkulietrainings steht die Aufmerksamkeitsfokussierung beim Umgang mit Rechenaufgaben, die Schärfung der Sinneswahrnehmungen sowie die Grundlagenmathematik.

Rechenschwierigkeiten, die aufgrund von umweltbedingten Erfahrungen oder auch wegen psychischer / physischer Störfelder bestehen, gelten als erworben.

Diese sind meist nur vorübergehend und mit fachkundiger Unterstützung gut korrigierbar.

Geübt werden hier – neben den Inhalten aus der Lernberatung – hauptsächlich Rechenoperationen, Regeln und Rechengesetze.

Was kannst du zur Prävention einer Schwäche im Rechnen tun?

Bereits ab dem Kleinkindalter ist es sinnvoll zur Förderung des rechnerischen Denkens regelmäßig im Spiel und mit Spaß Dyskalkulie Übungen zuhause zu machen.

Lerne in den Online Matheübungen hier bei LernStraat kostenfrei mit sofortiger Rückmeldung auf deine Lösungen zum Beispiel das 1×1, Addition, Subtraktion oder Textaufgaben.

Quellen

ICD 10: Rechenstörung

Weiterführende Literatur

Landerl, Karin; Vogel, Stephan; Kaufmann, Liane. Dyskalkulie: Modelle, Diagnostik, Intervention. UTB, 2022.